Betreuungskonzept für demenzkranke Patienten

Konzept nach SGB XI, § 45 b, Abs.1, Ziffer 3

 

Qualitätsgesichertes Betreuungsangebot

Pflegende Angehörige unterliegen vielfach starken physischen und psychischen Belastungen. Mit unseren Betreuungsangeboten wird es ermöglicht, stundenweise von ihren Pflegeaufgaben entbunden zu werden, um eigene Bedürfnisse zu erfüllen und beispielsweise Zeit für Aktivitäten, Arztbesuche oder private und soziale Kontakte zu haben.

Es handelt bei diesem Betreuungsangebot um ein ambulantes Angebot für ältere Menschen mit beginnender oder fortgeschrittener Demenz und entsprechendem Bedarf an methodisch ausgerichteter zusätzlicher Betreuung. Die Leistung grenzt sich zum Angebot nach §36 SGB XI ab. Sie beinhaltet keine Grundpflege und/oder hauswirtschaftliche Versorgung. Es ist ausschließlich ein Angebot für individuelle Betreuung und Beschäftigung.

Pflegebedürftige mit Pflegestufe I, II oder III, aber auch "Menschen mit allgemeinem erheblichen Betreuungsbedarf, die noch in die sogenannte Pflegestufe 0 eingestuft sind, können diese zusätzlichen Betreuungsleistungen erhalten.

Der Medizinische Dienst der Krankenkasse prüft vorab, ob die pflegebedürftige Person in ihrer Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt ist. Zu Einleitung der Prüfung reicht das Stellen eines formlosen Antrages bei der jeweiligen Krankenkasse. 
                                      Alzheimer Gesellschaft in Brandenburg


Folgende "Fähigkeitsstörungen" sind für eine Beurteilung maßgebend:

Unkontrolliertes Verlassen des Wohnbereichs

Verkennen oder Verursachen gefährdender Situationen

Unsachgemäßer Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder potentiell gefährdenden Substanzen

Tatsächliches oder verbal aggressives Verhalten in Verkennung einer Situation

Im situativen Kontext inadäquates Verhalten

Unfähigkeit, die eigenen körperlichen und seelischen Gefühle oder Bedürfnisse wahrzunehmen

Unfähigkeit zu einer erforderlichen Kooperation bei therapeutischen oder schützenden Maßnahmen als Folge einer therapieresistenten Depression oder Angststörung

Störungen der höheren Hirnfunktion (Beeinträchtigung des Gedächtnisses, herabgesetztes Urteilsvermögen), die zu Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagsleistungen führen

Störungen des Tag-/Nacht-Rhythmus

Unfähigkeit, eigenständig den Tagesablauf zu planen und zu strukturieren

Verkennen von Alltagssituationen und inadäquates Reagieren in Situationen des allgemeinen Tagesablaufs

Ausgeprägtes labiles oder unkontrolliert emotionales Verhalten

zeitlich überwiegend Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilf- oder Hoffnungslosigkeit aufgrund von therapieresistenten Depressionen.
 

                                                                                  Vorsorge


Zielsetzung:  

Die individuelle an der Biographie des Patienten orientierte Betreuung dient dem Ziel des Erhalts und der Förderung von verbliebenen Fähigkeiten. Hierbei trägt die Entlastung von pflegenden Angehörigen erheblich zur Sicherung der häuslichen Pflegesituation bei. Das Angebot ist als Ergänzung der ambulanten Versorgung Pflegebedürftiger mit eingeschränkter Alltagskompetenz geeignet, um kostenaufwendigere Versorgungsformen wie Tagespflege oder vollstationäre Dauerpflege zu vermeiden bzw. zu verzögern.  

Ort der Betreuung  

Die Angebote werden in der Häuslichkeit des Patienten, bzw. im sozialen Umfeld des Patienten durchgeführt.

Die Dauer und Häufigkeit des Betreuungsangebotes richtet sich nach dem individuellen Betreuungsbedarf und wird mit dem Patienten und/oder dessen pflegenden Angehörigen zusammen vereinbart.  

Art der Betreuung  

Bei der Betreuungsleistung gemäß §45b, Abs.1, Ziffer 3, SGB XI handelt sich ausschließlich um Einzelbetreuung.

Dabei richtet sich die Art der Betreuung nach den Bedürfnissen des Klienten und hat den biografischen Bezug gemäß Zielsetzung. Oberstes Ziel ist es, dem Klienten ein Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Wertschätzung zu vermitteln.  

                   Bundesministerium


Umgang mit verändertem Verhalten  

Aus der Erkrankung entstehend können sich bei Demenzkranken Verhaltensweisen entwickeln, die unverständlich sind oder als problematisch und herausfordernd gewertet werden. Dieses Verhalten ist durch die Erfahrung, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens sammelt, beeinflußt. In der Regel versucht der Mensch sein Verhalten bewußt oder unbewußt den gesellschaftlichen Erwartungen anzupassen. Dies ist eine Fähigkeit, die dem Demenzkranken gänzlich oder teilweise verloren gegangen ist. Im Rahmen der Betreuung schafft der Betreuende dem Demenzkranken ein Umfeld, in dem keine Erwartungen an ihn gestellt werden. Bei herausforderndem Verhalten ist es Aufgabe der betreuenden Mitarbeiter, die Gründe für die Verhaltensweise des Patienten zu erkennen. Dabei ist es nicht wichtig, diese nachvollziehen zu können.  

Herausfordernde Verhaltensweisen können unter anderem sein:

 - Aggressionen

 - Sinnestäuschungen

 - Wiederholtes Fragen und Handlungen

 - Gefühlsschwankungen

 - Weglauftendenzen

 - Unruhezustände


 Leitlinien der Gesprächsführung

 - Der Mitarbeiter handeln nach den Grundsätzen der Validation. Das bedeutet, daß er die Gefühle, die der Demenzkranke äußert, für wahr erklären. Der Mitarbeiter hört  dem Demenzkranken sehr aufmerksam zu.

 - Der betreuende Mitarbeiter hält dabei Blickkontakt, wenn möglich und situationsbedingt angemessen, stellt der Mitarbeiter Körperkontakt her, wie z.B. Berühren des Oberarmes.

 - Es werden einfache Wörter in kurzen Sätzen deutlich und langsam gesprochen.

 - Die Wörter werden durch Mimik und Gestik ergänzt. Gesprochenes enthält nur eine Mitteilung auf einmal.

 - Hintergrundgeräusche sind zu vermieden, um den Betroffene vor Reizüberflutung zu schützen.

 - Gefühle des Patienten sind ernst zu nehmen, ohne sie zu analysieren. Auf Korrigieren und Überzeugen von der (eigenen) Realität wird grundsätzlich verzichtet.

 Aktivierung verbliebener Fähigkeiten

Der betreuende Mitarbeiter erfaßt die dem Patienten verbliebenen Fähigkeiten. Die Ressourcen werden während des individuell an die Biographie orientierten geplanten Angebotes regelmäßig wiederholt aktiviert. Durch diese Wiederholungen bleiben Ressourcen so lange wie möglich erhalten. Gleichzeitig vermittelt das Gelingen bestimmter Tätigkeiten ein Erfolgserlebnis. Durch diesen aktiven Umgang mit dem Patienten wird die Wertschätzung der Fähigkeiten, das Selbstwertgefühl und das Wohlbefinden angeregt und gefördert.

Soziale Kontakte vermitteln

Das Verhalten von demenziell erkrankten Menschen verunsichert und irritiert oft das Umfeld dieser Menschen. Nicht selten kommt es zu einer Ausgrenzung des Betroffenen und seiner Angehörigen. Daher ist es wichtig Freunde, Bekannte, Familie, Nachbarn und andere über die Erkrankung aufzuklären und Hilfestellung im Umgang mit Demenzkranken zu geben. Dafür werden Schulungen zum Thema Demenz, z. B. vermittelbar über die Alzheimer Gesellschaft oder CURATUS, angeboten und individuelle Beratungen bei auftretenden Problemen ist ebenfalls vermittelbar. Ansprechpartner hierzu ist unter anderem unser Pflegedienst, der über die Pflegedienstleiterin Kordula Cyrson als Mitglied der Alzheimer Gesellschaft Brandenburg vermittelnd tätig werden kann.

Umgang mit herausforderndem Verhalten

 Der betreuende Mitarbeiter versucht die Gründe für herausforderndes Verhalten des Patienten zu erkennen, um gezielt auf die Gefühle eingehen zu können. Dazu werden Fragen gestellt, wie zum Beispiel:

 „Was macht sie wütend?“

 „Wer hat ihnen das gestohlen?“

 „Was haben sie gesehen?“

 „Wo wollen sie hingehen?“

 „Was erwartet sie da?“ -

 „Wer erwartet sie da?“ -

 „Was haben sie gehört?“

 „Was gefällt ihnen nicht?“

Die Frage nach dem „WARUM?“ wird in jedem Fall NICHT gestellt, da diese Frage immer einen unterschwelligen Vorwurf beinhaltet und eine nicht abschätzbare Reaktion zur Folge hat und z. B. mit folgenden Antworten beendet wird:

 „ Warum machen sie das?“ -  >>„ Darum!“ >>„Weiß nicht!“ >>“Kann ich nicht sagen!“

Diese Frage führt dem Demenzkranken vor Augen, daß er nicht richtig handelt. Dieses Gefühl löst in der Regel Ärger, Rückzug oder Angst aus.

Kennt der Betreuer die Stimmungslage des Demenzkranken, nimmt er die Gefühle ernst und erklärt sie für wahr.

Im Gespräch versucht der betreuende Mitarbeiter Wünsche und Bedürfnisse zu erfragen, um bei dem Patienten positive Gefühle zu wecken und diese möglichst zu verstärken, damit sich bei dem Demenzkranken ein positives Gefühl (Wohlbefinden, sich verstanden fühlen) einstellt.

Die positiven Gefühle werden verbal und durch Mimik und Gestik verstärkt.

Bei Bewegungsdrang können diese Gespräche auch im Gehen geführt werden.

Es wird versucht die Ursache für den Bewegungsdrang zu ergründen. In keinem Fall wird der Patient an der Bewegung gehindert. Sie wird solange begleitet bis sich das Bedürfnis nach Bewegung gelegt hat.  


Beschäftigungsideen:

Erinnerungsarbeit

Aktivitätsangebote im Rahmen -  der Tagesstruktur

Wäsche zusammenlegen

Kochen

Einkaufen auf dem Wochenmarkt

Kirchenbesuche

Nähen -  

Gartenarbeit

Singen

Zehn-Minutenaktivierungen

Gedächtnistraining

Gesellschaftsspiele, Lesen

Sprichwörter ergänzen

Aufbau und Gestaltung der Beziehung zwischen Patient und betreuendem Mitarbeiter  

Wir arbeiten nach dem Prinzip der Bezugspflege. Die betreuende Bezugspflegekraft ist für die Planung, Durchführung und Evaluation der Betreuungsangebote und deren Dokumentation verantwortlich. Die Pflegedienstleitung koordiniert die Personalein- satzplanung unter Berücksichtigung der Bezugspflege, um eine kontinuierliche und weiterführende Betreuung sicherzustellen.

Abrechnung  

Die Leistungen richten sich an den, mit den Pflegekassen abgeschlossenen Verträgen für Leistungsentgelte. Sie werden direkt mit dem Pflegebedürftigen  oder Angehörigen abgerechnet.

In einem Betreuungsvertrag werden Leistungen, die Zeiten der Leistungserbringung, der Einzel- und Gesamtpreis aufgeführt. Die Betreuung in der eigenen Häuslichkeit wird 1x monatlich nach Stunden abgerechnet. Der Pflegebedürftige stellt einen Erstattungsantrag an seine Pflegekasse.


Förderung durch unsere Mitarbeiter:

Toilettentraining zur Förderung der AEDLs im Bereich „Ausscheidung“ durch Pflegepersonal

Spaziergänge, Treppensteigen, Unterstützung bei der Fortbewegung innerhalb und außerhalb der Wohnung zur Förderung der AEDLs im Bereich „Bewegen“ erfolgt durch den Mitarbeiter.

Training des An- und Ausziehens und der Auswahl der Kleidung, Schmuck, Parfüm etc., zur Förderung der AEDLs im Bereich „Sich Kleiden“ und „Sich als Mann oder Frau fühlen“ erfolgt durch den Mitarbeiter.  

Gestaltung eines sicheren häuslichen Umfeldes, Sicherer Umgang mit Hilfsmitteln, Erkennen von Stolperfallen zur Förderung der AEDLs im Bereich „Sichere Umgebung“ erfolgt durch den Mitarbeiter. 

Das gemeinsame Zubereiten von Mahlzeiten zur Förderung der AEDLs im Bereich „Essen und Trinken“ Pauschalstunde erfolgt durch den Mitarbeiter.

Spiele, Gedächtnistraining und Kommunikation zur Förderung der AEDLs im Bereich „Kommunizieren, Kontaktaufbau und Einbezug ins Außengeschehen zur Förderung der AEDLs im Bereich „Soziale Bereiche des Lebens“ Pauschalstunde erfolgt durch den Mitarbeiter.

Beschäftigungstherapie und Tagesablaufgestaltung zur Förderung der AEDLs im Bereich „Sich beschäftigen“ Pauschalstunde erfolgt durch den Mitarbeiter.

Erleichterung des Umgangs mit existentiellen Erfahrungen durch Gesprächsführung, Berücksichtigung individueller Wünsche und Gespräch mit dem Seelsorger zur Förderung der AEDLs im Bereich „Mit existentiellen Erfahrungen umgehen“ Pauschalstunde erfolgt durch den Mitarbeiter.


Der Wunsch nach ausgebildetem Pflegepersonal findet Berücksichtigung, daher werden hierzu in unserem Pflegedienst in der Hauptsache examinierte Fachpflegekräfte und Pflegehilfskräfte eingesetzt.

Betreuungszeiten werden im Rahmen individueller Absprachen vereinbart.

Für weitere Fragen steht wir Ihnen gerne zur Verfügung. Lesen Sie auch die Seite "Beratung von Patienten und Angehörigen"